Einmal 24h rund um die Uhr zu biken. Diese fixe Idee hat uns ne ganze Zeit lang verfolgt.

Die Pfützen kamen mir metertief vor. Das patschnasse Sitzpolster meiner Hose schwabbelte auf dem Sattel. Jeder Schluck aus der Trinkflasche schmeckte lecker nach schlamm.

Hi,auf besonderen Wunsch von Markus einen Bericht vom 24h-Rennen in München und Duisburg.


Total irre,sagen die einen. Die haben doch nicht alle Tassen im Schrank, meinen die anderen. Bekloppt? Da gabs nur eins. Ausprobieren! Man hat einen Riesenrespekt davor, muss sich überwinden.

Man weiss das es wehtun kann. Team Lollipop, Nicola Nesselberger, Horst Jung, 2er-Mixed-Wertung wird gegründet. Der Tag X in München ist da. Bei der Streckenbesichtigung im wunderschönen Olympiapark wird schnell klar, diese Strecke ist eine Offenbarung für Biker. Grüne Hügel, knackige Singletrails, zerfurchte Downhills, Asphalt, Blechbrücken, der Anstieg auf den Olympiaberg, eine richtige Boxengasse und das alles auf 5km und 90HM. Wahnsinn!!! 

Die Begeisterung der Biker ist überall zu spüren. 

Nach dem obligatorischen Briefing erfolgt der Startschuss um 13 Uhr. Bei 35 Grad, weissblauem Himmel und Tausenden von Zuschauern gehts los. Gestartet wird in 8er-Teams, 4er-Teams, 2er-Teams und natürlich als Einzelstarter, die bei diesen Rennen mit einer speziellen Rückennummer gekennzeichnet, einen Sonderstatus haben und nicht berührt werden dürfen.  

Beim Start heizen die einen los als wäre es ein Cross-Country-Rennen, die anderen dümpeln schon jetzt vor sich hin und haben nur Ihre Pulsuhr im Blick. Ich für meinen Teil bin froh, das Horst als erster ins Rennen geht, denn man sieht nur fliegende Ellenbogen, rempelnde Biker und schon krachts und einige liegen auf der Nase. Adrenalin pur
Unsere Renneinteilung ist so geplant, das jeder ca. 4 h fährt und gegen Morgen dann gucken was noch geht. Andere wechseln nach jeder Runde. Im Rennen selbst hat man sich ganz schnell auf die Strecke eingestellt und weiss genau, was wann kommt, wo wie geschaltet wird, wo die eigene Ideallinie ist. 

Und siehe da, es macht einen Heidenspass. Gewechselt wird in einer Extrazone mit Übergabe eines Schweissbändchens. Meine Bedenken lagen bei der Nachtfahrerei. Aber im Gegenteil war es nachts sogar gut zu fahren. Man kennt die Strecke schon aus dem Stehgreif. Zuschauer stehen an der Strecke und ermuntern dich fortwährend und schwingen Kuhglocken, das man gar nicht müde werden kann. Ausserdem fuhren wir mit Lupinelampen, die alles bestens ausleuchteten (Vielen Dank an Andreas Wittmann für die Leihgabe!). Und nach jeder Runde kam man dann am eigenen Fahrerlager vorbei, wo unser Betreuer Andreas Ulrich es wirklich 24h fertigbrachte uns immer lächelnd mit Getränken, Essen, Massagen, Ergebnissen, Reparaturen...., die sowieso schon gute Laune nochmals zu verbessern.  

Ein riesengrosses Dankeschön nochmal! 

Auch die Geamtorganisation war phantastisch.
Die Versorgung gigantisch. Die vielen Helfer total nett. Alles Superlativen, was das erreichte Ergebnis, ein 3.Platz natürlich noch steigerte. 

Der Zieleinlauf war faszinierend. So viele total fertige, aber glückliche Gesichter. Bei den Bikern spielten sich irre Szenen ab. Von der obligatorischen Sektdusche über am boden liegende ausgepumpte, heulende Gesichter bis zu denen die nur noch getanzt haben. Ein Promi war auch als Einzelfahrer dabei, Comedian Wigald Boning, der bei der Siegerehrung nur ein Wort hatte:"Geil"

Und weils so schön war, wollten wir es beim nächsten 24h-Rennen 4 Wochen später in Duisburg nochmal wissen. 

Die Strecke lag diesmal in einem ehemaligen Thyssen-Stahlwerk, mit einer ganz besonderen Atmosphäre aus rostigem Stahl, Türmen, Treppen (meine ganz besondere Spezialität, sch....nein) und einer vielfältigen Vegetation. Eine ganz eigentümliche, für uns bis dato unbekannte Bikeatmosphäre. Vor allem nachts, wenn die alten Hochöfen durch eine spezielle Lichtinszenierung in vielen Farben erstrahlte. Hier waren es dann 7,5km und 70HM. Aber für uns Saarländer, die eher Waldböden befahren als Eisentreppen schon etwas schwieriger. Zumal das Wetter, Horst hatte alles Glück der Welt im strahlenden Sonnenschein losfuhr, für mich dann eher fürn A...war. Es hat dermassen geregnet und gehagelt, das ich ne lebende Fangopackungabgegeben hab. 

Alles ist abgesoffen. Die Pfützen kamen mir metertief vor. Das patschnasse Sitzpolster meiner Hose schwabbelte auf dem Sattel. Jeder Schluck aus der Trinkflasche schmeckte lecker nach schlamm. In der Wechselzone erkannten sich die Teams nur noch durch Zurufe.  Nachdem ich diesmal nach 3,5h die Schnauze voll hatte und meinem Teampartner auch ne Schlammpackung gegönnt hätte, versiegte der Regen abrupt. Glück muss man haben. Ich übernahm die Nachtschicht und diesmal, es regnete natürlich wieder, war die ganze Strecke mit Musik beschallt. Irgendwann wär dann"Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Singing in the rain" passend gewesen. Aber es lief nur "Ich will Spass, ich geb Gas".  Nichtsdestotrotz wurde es Morgen und siehe da, Horst war an der Reihe und es regnete. Diesmal hat sich die Plackerei richtig gelohnt.

Ein 1. Platz in der 2er-Team-Mixed-Wertung

Wigald Boning, der extra mit dem Klappfahrrad von Köln zur Siegerehrung kam, kommentierte unsere 68 Runden als bärenstarke Leistung. Naja, da war ich schon ein bisschen stolz, obwohl ich diesmal nur 29 gefahren bin (die aber unter erschwerten Bedingungen).  Auch diesmal waren wieder die unterschiedlichsten Teams vertreten. Da die amtierenden Europameister, hier ein 8er-Team mit Männern, deren erklärtes Ziel es war, nach jeder gefahrenen Runde ein Bier zu trinken und eine Zigarette zu rauchen. Sie hiessen dann noch bezeichnend "Diebels Alt".  Siehe da , sie habens geschafft und sich genauso gefreut wie die Erstplatzierten.

24h-Rennen heisst "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", aber der Funke ist übergesprungen. Eine faszinierende, andere Art des Bikens. Suchtgefahr! Wir könnens nur empfehlen. Es macht einen Heidenspass! Immer wieder!

Wer genaue Zeiten, Teilnehmerlisten, Infos ...will, guckt unter www.sog-events.de. Vielleicht sind im nächsten Jahr ein paar Saarländer dabei. Wäre schön.
Nochmals herzlichten Dank an alle Helfer und Betreuer. Vor allem an Andreas, Jens, Susi und Volker.

 

Liebe Grüsse Nicola

P.S.Das 3.24h-Rennen dieser Adidasserie findet am 20.08. in Ruhpolding statt. Ich muss leider arbeiten. Aber Horst versucht es als Einzelstarter. Viel Glück und Erfolg!

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