7. Bank1Saar MTB-Marathon 2006, St. Ingbert Image

Out to Hell! - Dahämm bin ich schnell!

Nicht mehr in der Lage mich gegen den Hang fallen zu lassen, stürze ich mit einer, mehr oder minder eleganten Schraube samt Bike an den Füßen, über den Abhang. Schwups, liege ich wieder drei Meter weiter unten auf dem Weg.

Sonntagmorgen, der Wecker klingelt um 7:00 Uhr. Ich bin direkt hellwach und springe auf, was selten genug vorkommt. Ich freue mich auf einen tollen Biketag mit Funfaktorgarantie in St. Ingbert.  Die Strecke ist fahrtechnisch anspruchsvoll, mit vielen knackigen Anstiegen und Abfahrten. Sie führt durch Waldgebiet mit hohem Singeltrailanteil auf Buntsandsteinboden.

Nach dem üblichen Morgenprozedere verstaue ich meine Klamotten und Schuhe im Auto (spätestens seit dem Saarschleifenmarathon schenke ich meinen Schuhen besondere Beachtung – die dürfen einfach nicht fehlen). Dann noch das frisch geputzte Bike verstauen – unglaublich aber wahr, den Dreck vom Wildsaumarathon vorige Woche habe ich gestern noch schnell entfernt. Die Fahrt nach St. Ingbert ist entspannt. Ich bin viel zu früh, muss aber noch nachmelden und will heute jeden Stress vermeiden. Es soll einfach nur ein lockerer Bike-Tag werden.

In St. Ingbert angekommen stehen die meisten Profis schon auf dem Parkplatz. Zuerst zur Anmeldung, beim Befestigen der Startnummer füllt sich auch schon langsam der Parkplatz. Die Marathonbiker/innen trudeln ein, für sie heißt es schon um 9:00 Uhr starten.

Um kurz vor neun Uhr postiere ich mich an der Auffahrt am Betzentalstadion. Mal sehen wie es die Profis krachen lassen. Sensationell, die sind so schnell, dass mein altersschwacher Fotoknips gar nicht richtig in Aktion treten kann. Ich glaube, da brauche ich mal einen neuen - ist ja bald schon wieder Weihnachten.

So, die Profis sind durch. Fertig machen und dann auf zum Warmfahren auf den oberen Sportplatz. Unterwegs treffe ich auf Martina und Markus S., sie wollen sich beim MB Trail postieren um Fotos zu schießen. Auf dem Sportplatz angekommen, drehe ich noch ein paar Runden und reihe mich dann im 2. Startblock hinter Verena ein.

Los geht's, nur keine Hektik. Zusehen, dass der Puls am Betzentalstadion nicht schon in den roten Bereich geht. Schön, der erste Trail und noch kein Stau. Klasse, so kann’s weitergehen. Dann der lange Anstieg zum "HANS-Peters-Kniebrecher", im oberen Bereich ist das Teil richtig steil, und ich werde mehrfach überholt. Macht aber nix, ich will ja nur ankommen. Dann geht es in den "Präsidenten-Trail". Super, bergab. Da fühle ich mich heute wohl. Mein Puls normalisiert sich. Das Tempo ist gediegen. Nicht jeder riskiert hier alles um schnell runter zu kommen. Wer aber auf Zeit fährt, muss sehen dass er bei der kommenden Steigung in der Spitzengruppe ist.

Unten angekommen geht es nun hoch auf den "Betzenhammer", der anfänglich leicht ansteigende asphaltierte Weg wird oben richtig steil. Ich fahre nach Pulsfrequenz und muss Verena und Stephan ziehen lassen. Noch in der Auffahrt werde ich von Christian P. überholt. Der grüßt kurz und weg is er auch schon. Okay, er fährt einfach in einer anderen Liga und schafft am Ende Platz 25 – super, Christian!

Dann die Auffahrt zu "Harrys Keule". Gleich am Anfang schieben einige hoch. Vor mir ist eine etwas größere Lücke und ich entscheide mich zu fahren - ging ja vor zwei Wochen auch ohne Probleme. Aber nein, den schwierigsten Teil fast geschafft, komme ich zu weit nach links und merke, das geht nicht gut. Wie in Zeitlupe sehe ich mich fallen. Nicht mehr in der Lage mich gegen den Hang fallen zu lassen, stürze ich mit einer, mehr oder minder eleganten Schraube samt Bike an den Füßen, über den Abhang. Schwups, liege ich wieder drei Meter weiter unten auf dem Weg.

Ich kann sofort aufstehen. Lege das Rad beiseite und kontrolliere meinen Körper auf Blessuren. Keine Knochenbrüche und offenen Verletzungen. Ich muss nur den Dreck aus dem Helm schütteln und mir Sand aus dem Mund spülen und auch sonst ist noch alles an seinem Platz. Die vorbeifahrenden Biker erkundigen sich nach meinem Zustand. Ich kann aber allen versichern, dass ich den Stunt schadlos überstanden habe.

In Ordnung denke ich noch, den ersten Sturz gut überstanden, dann kann es ja weitergehen. Doch nichts da, das Hinterrad von meinem Scott hat sich völlig verabschiedet. Das ist keine 8 mehr sondern eher eine 48. Mit zentrieren ist da nichts mehr zu retten. Bei Kilometer 6,8 ist somit das Rennen für mich heute zu Ende. Mein Scott muss zum Bikedoc und ich unter die warme Dusche.

So schnell kann ein Halbmarathon zu Ende sein.

Anmerkungen:

Mein Dank noch an alle, die sich nach meinem Befinden erkundigt haben und mir helfen wollten. Es ist schön zu wissen, dass es so viele hilfsbereite Biker gibt.

Gute Besserung an alle, deren Stürze nicht so glimpflich ausgingen wie der meine.


Meinen Glückwunsch an:

- Verena, die nach nur 3:40 h das Ziel erreicht hat – phänomenal!
- Olaf Miosga, der trotz Kettenriß und der damit verbundenen Reparatur nach nur 3h12m51s das Ziel erreichte
- Christian P., der Platz 25 belegt hat


Bike on (MW)

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