Auf zu unserem ersten Supercup nach Bimbach bei Fulda, hieß es am Freitag den 20.05.94

"Hoffentlich geht das gut", waren unsere Gedanken. Dietmar führte unsere Gruppe an, es ging auf ebener Strecke durch Wiesen und Felder mit lockerem Tritt der ersten Kontrollstelle entgegen. Nach etwa 25 km war die erste Pause angesagt.

Auf zu unserem ersten Supercup nach Bimbach bei Fulda hieß es am Freitag den 20.05.94 um 13.00 Uhrfür Horst Ory , Markus Schwarz und Peter Melchior. Erfahrene Supercupper wie Dietmar Neffe und Randolf Wojciechowski waren an unserer Seite und versorgten uns schon im Vorfeld mit Tipps und Ratschlägen zum Supercup. Da die beiden den Röhn-Cup schon gefahren sind wussten Sie genau wo's lang b. z. w.  hoch ging. "Nur nicht zu schnell angehen sonst bist Du gleich platt", hieß es immer wieder von Dietmar. 

Um 17.00 Uhr im Hotel angekommen , ging es gleich darauf zum Startort.

Wir staunten nicht schlecht als wir die vielen Zelte und Wohnmobile aus ganz Deutschland sahen, alles Supercupper häuslich auf einer großen Wiese eingerichtet. Der erste Eindruck war gewaltig, wie auf einem Volksfest. Jeder von uns freute sich schon auf die 115 km RTF einem Tag vor dem eigentlichen Supercup. Diese Strecke sollte uns zum einrollen für den Supercup dienen. Wir hatten uns vorgenommen locker zu fahren, denn die Bimbach-Cup Prüfung stand ja noch bevor.

Die RTF gut überstanden, folgte eine warme Dusche und die obligatorische Nudelparty im Freien an Start und Ziel. Die Anmeldung zum Supercup mit Entgegennahme der Startnummern war dann der Abschluss des ersten Tages. Am Sonntag um 4:00 Uhr klingelte uns der Wecker aus unseren süßen Radlerträumen und aufstehen war angesagt, die Beine mit Massageöl eingerieben, ging es dann zum Frühstück bei Kerzenschein. (Der Wirt hatte vergessen das Licht anzuschalten) Die Kohlehydratspeicher bis zum Bersten gefüllt fuhren wir mit den Autos zum Startort nach Bimbach.

Dort angekommen war Start frei für ca.1300 Radsportler aus ganz Deutschland und Europa. Eine Strecke von  220 km Länge und 3300 Höhenmetern war zu bewältigen. Wahnsinn!  

"Hoffentlich geht das gut", waren unsere Gedanken. Dietmar führte unsere Gruppe an, es ging auf ebener Strecke durch Wiesen und Felder mit lockerem Tritt der ersten Kontrollstelle entgegen. Nach etwa 25 km war die erste Pause angesagt. Startkarte abstempeln lassen, etwas trinken und mit einem Müsliriegel in derTrikottasche, ging es dann den ersten Hügeln entgegen. Zwei Anstiege von 8% Steigung machten uns auf dem weiteren Verlauf  des Supercups aufmerksam. Es ging Richtung Bayern, die Landschaft wurde immer schöner die Hügel immer länger und steiler. Wenn man da noch von Hügel reden konnte. Immer weiter ging es bergauf bis Nordheim 400m ü. n.N.

Ab diesem Zeitpunkt kamen dann die eigentlich richtigen Steigungen, Wasserkuppe 12% und 1000 m hoch," atemraubend " ( wörtlich genommen.) Ab jetzt kostete der Bimbach Supercup wirklich Kraft.

Mit gesenktem Kopf  und schweißverklebtem Gesicht, kurbelten wir dem Gipfel entgegen." Wo bleibt nur die nächste Kontrolle? Langsam mit teilweise 10 km/h ging es im Wiegetritt  Richtung Berggipfel. Runterschalten im Sitzen fahren, hochschalten für den Wiegetritt und dann noch diese nervtötenden Schilder mit den Höhenangaben am rechten Fahrbahnrand, alle 200 m, es war zum reintreten. Den Berg endlich erklommen, konnten wir uns auf einer kurzen, flachen Strecke wieder einigermaßen erholen. Es sollte aber nicht lange dauern, denn kurz darauf folgte eine Bremsbelag- und Unterarmstrapazierende Abfahrt von 5 km Länge.

Es war mittlerweile recht kalt geworden und wir streiften unsere Windjacken über, um nach der Abfahrt nicht erfroren vom Rad zu fallen. Daß man bei so einer Temperatur ins schwitzen kommen kann, habe ich mir nicht vorstellen können. Das Trikot komplett durchgeschwitzt, ging es im Sturzflug den Berg hinunter. Jetzt war volle Konzentration gefragt bei 8-10% Gefälle und 90 km/h. Mein Nacken machte sich durch Schmerzen bemerkbar, die Hände waren eingeschlafen vom krampfhaften festhalten des Lenkers. Nach etwa 10 Minuten rasender Abfahrt, kamen wir dann in den nächsten Ort, jetzt musste man voll in die Bremsen steigen, denn mit 100 km/h durch Ortschaften zu fahren ist auch Supercupfahrern  nicht erlaubt.

Wir hatten fast die Hälfte der Strecke hinter uns, nur noch schlappe 110 km lagen vor uns.

Die schwerste Prüfung sollte aber noch folgen nach 120 km im Wald verborgen ein Waschechter 22%ter. Kurz davor sagte Dietmar, hinter der nächsten Häuserreihe kommt "Er" und da war "Er" auch schon. Wie auf Kommando hatten alle vorn 39 Zähne aufliegen. Ritzelmäßig ging es noch individuell weiter, doch nach ein paar hundert Metern waren Ritzel unter 26 Zähnen nicht mehr gefragt.

Ein Gedanke jagte den nächsten, alles ging einem durch den Kopf. Zuhause könnte man auf der Couch liegen oder ein Bier trinken und was machen wir? Im Wiegetritt, fast wie in Zeitlupe quälten wir uns den Berg hinauf, wenn man da noch von Radfahren reden kann. Es folgte eine Kurve und weiter ging’s bergauf. Man weiß nie wie man diese Stiche angehen soll, wenn man sie nicht kennt. Manchmal sehen sie so kurz aus, daß man meint die kann man mal eben so hochdrücken. Dann aber biegt man um eine Kurve und vor einem steht die Fortsetzung der Wand. Da vergisst man vor lauter Schreck oft das Schalten.  Den Blick aufs Vorderrad, tief atmend, ging es weiter nach oben. Runterschalten ging jetzt nicht mehr, das größte Ritzel war schon einige Zeit im Einsatz. "Absteigen oder weiterfahren" sagte ich zu Horst, Er hatte noch nicht geantwortet, da war ich auch schon unten.  Markus, die Vereinsrakete, war schon ein ganzes Stück voraus und fuhr unaufhaltsam weiter nach oben. Dietmar bekam vor uns einen Krampf in die Wade und stieg ebenfalls vom Rad. Randolf war hinter uns bereits am schieben. Selbst gehen war an diesem Berg mit 22% ungemein anstrengend.

In der Zwischenzeit war Markus nicht mehr zu sehen und bestimmt schon oben angekommen, dachte ich mir. "Ein SEROTTA schiebt man nicht" sagte er später zu uns. (Scherzbold)

Das Rad in der linken, die Schuhe in der rechten Hand, ging es auf weißen Rennsocken bergauf, leicht nach vorne gebeugt um nicht nach hinten umzukippen, Horst, Dietmar und Randolf hatten vorgesorgt und SPD Pedale montiert, um besser gehen zu können. Es glich jetzt einer Volkswanderung mit Fahrradschieben, nur ganz wenige schafften den Berg auf dem Rad. Ein kleines Zähnchen mehr hinten hätte vielleicht schon gereicht, was soll’s, gehen liegt doch in der Natur des Menschen. Außerdem wäre bei mir ein Krampf in der Wade eine unausweichliche Folge des ständigen Tretens geworden. 

Endlich zu Fuß den Berg erklommen, folgte nach kurzer, ebener Strecke eine erholsame nicht zu steile Abfahrt. Mit frisch gesammelten Kräften kamen wir dann zu den nächsten kleinen, mittleren und bösartigen Stichen. Es schien einfach nicht aufzuhören, immer nur nach oben, "wir müssen doch bald im" Himmel" sein", 8% dann wieder mehr als 10% Steigung, einmal kurz, dann wieder etwas länger. Dann ein Schild Kontrollstelle. Mut kam wieder auf, nur noch ca. 80 km lagen vor uns.

Nach kurzem Aufenthalt, machten wir uns wieder auf dem Weg Richtung Ziel. Markus machte mächtig Dampf und wir fuhren mit 40 km/h der vorletzten Kontrollstelle entgegen. Wir hatten uns alle an die Marschrichtung von Dietmar gehalten und sind die ersten 100 km relativ zurückhaltend gefahren. Schwach anfangen um dann stark aufzuhören, war unsere Devise, umgekehrt geht das meist in die Hosefan der vierten Kontrollstelle angekommen, gab es warmes Essen. Mit einem Teller Nudeln im Bauch machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Bimbach. Wir hatten noch alle relativ viel Kraft und fuhren am Berg einigen RTFlern  davon, die ihre 115 km-Tour bewältigten. Noch ein Berg mit 4 km länge  und etwa 8% Steigung lag vor uns.

Diesen souverän gemeistert drückte Markus erneut aufs Tempo und wir kamen dem Ziel schnell näher. Die letzte Kontrollstelle wurde auf einem Schild angekündigt und ein Gefühl der Zufriedenheit kam auf, alles gut überstanden zu haben. Nach kurzer Rast ging es jetzt auf flacher Strecke dem Ziel entgegen.
Nur noch 20 km und wir haben den ersten Supercup geschafft. Als wir dann nach 220 km im Ziel ankamen, wurden wir von unseren Frauen u. Zuschauern mit Video, Fotoapparat und viel Beifall empfangen. 

Wir hatten den ersten Supercup hinter uns und in 8 Stunden reiner Fahrzeit die Supercupprüfung bestanden.

Ps.: Es war ein Erlebnis ganz besonderer Art und bestimmt nicht unser letzter Supercup, auch wenn es manchmal bis zur Erschöpfung ging. Radfahren ist Lachen, Kammeradschaft, Leid. Doch immer und vor allem Erfahrung deshalb kann seine Faszination nie nachlassen. Deshalb bleiben Radler Radler und das meist lebenslänglich.

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