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GO WILD - Über die Alpen zum Garda See

Alpencross Bodensee – Gardasee 2007

Frisch gestärkt geht es dann über ein Schiebestück von ca. einer Stunde zu dem 2608 m hoch gelegenen Fimbapass. Die Murmeltiere, die wir auf dem Weg treffen sind noch sehr fotoscheu, doch das ändert sich noch! Die folgende Abfahrt wird für mich wieder zur Wanderpartie; dass sie Stefan am besten von der ganzen Tour gefallen hat und er alles gefahren ist, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Am Samstag den 4.08.07 ging es los. Wir haben uns dieses Jahr für ein „Go wild“-Alpencross entschieden. Laut Veranstalter sollte dies 480 km und 11600 hm in 6 ½ Etappen bedeuten…doch es kam ein bisschen anders:

Am ersten Tag war nur Anreise, Kennen lernen und Streckenbesprechung vorgesehen. Die 12 (!) Teilnehmer aus verschiedenen Teilen Deutschlands reisten mit unterschiedlichen Erwartungen und Vorraussetzungen im Laufe des Abends am Bodensee an. Da unser Guides vor ein paar Wochen schwanger geworden ist, wurden wir vorerst von dem Chef des Reiseunternehmens betreut. Nach einem gemütlichen Abend mit schlechtem Lindauer Bier gingen wir voller Erwartungen und Tatendrang ins Bett.

Sonntag, 05.08.07:

Am nächsten Morgen wurden wir von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Nach einem guten Frühstück ging es dann endlich los. Wir fuhren entlang des Bodensees in Richtung Bregenz, hinein in den Bregenzer Wald und nach Vorarlberg. Dann kam der erste Anstieg. Uli, unser Guide erklärte uns kurz den Weg und ließ und dann fahren. Die Rangordnungskämpfe waren somit eröffnet. Stefan lag sehr gut im Rennen und auch ich kann mich über meine Position nicht beschweren. Vor lauter Übereifer verfuhr sich der Führungstrupp um ca. 200 hm. Der Lohn dafür war eine schöne Schaukelpartie in den Bergen.

Endlich wieder alle beisammen stärkten wir uns erst mal mit einer Pizza, Nudeln und einige schon mit dem ersten Bier. Nachmittags stand dann noch der Hochtannbergpass auf dem Programm, der uns zu unserem ersten Ziel führen sollte. Eine schöne Asphaltstraße und ein kleiner Schotterweg führten zu einer Hütte, an der es selbst gemachte Milchprodukte zu Essen gab. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! 

Frisch gestärkt geht es dann nur noch bergab nach Lech. Leider stellten uns böse Menschen Hindernisse wir z. B. Schranken in den Weg, über die Stefan dann auch geflogen ist. Die Folgen: Zwei blau-schwarze Flecken an den Oberarmen, eine Kehlkopfprellung mit entsprechen rauer Stimme und ein gewichtsoptimiertes Schaltwerk. Es hätte schlimmer kommen können, wenn man mit voller Fahrt in eine Schranke fährt! Von den Schäden an der Schranke reden wir nicht. 

Mit ca. 100km und 2100hm in den Beinen kommen wir dann im Wintersportort Lech an, lassen uns eine Pizza schmecken und bereiten uns auf den nächsten Tag vor. Ein zweiter Guide stößt zu uns, verspricht am nächsten Tag „richtiges Mountainbiker“ und möchte für den Vormittag 2 Gruppen manchen. Die Entscheidung fällt nicht schwer, natürlich die Gruppe, die weiter fährt.

Montag, 06.08.09:

Auch heute weckt uns die Sonne und um halb acht machen sich sieben von unserer Gruppe auf den Weg runter nach Klosters. Erst geht es hoch zu einem See und dann bergab. Die Abfahrt geht über verblockte, steile Wege mit losem Schotter, den ich die meiste Zeit leider schieben muss, aber was soll´s! Stefan heftet sich mit seinem Hardtail an die Fersen von Philipp unseren zweiten Guide, der das ganze mit einem Freerider fährt – Respekt! So kommen wir am Fuße des Arlberpasses an und sollen nun die Fahrstraße hoch.  Ich muss sagen, mit dem Auto macht das deutlich mehr Spaß, aber ändern können wir es nicht. Auf der Passhöhe treffen wir den Rest der Gruppe, die den Flexenpass genommen haben und so 300 hm gespart haben. Leider müssen wir die ganzen Höhenmeter wieder auf der Straße runter bis kurz vor St. Anton. Durchs Verwalltal geht es dann hoch zur Konstanzer Hütte (1688 m), wo wir bei herrlichem Wetter Mittag machen. Danach geht es weiter zur Heilbronner Hütte (2320 m). Von dort erwartet uns dann eine tolle Abfahrt über Galtür nach Ischgl. 80 km und wieder 2100 hm.

Dienstag, 07.08.07:

Heute ist der höchste Punkt der Tour geplant – der Fimbapass. Von Ischgl aus geht es über die Fahrstaße, die zum Teil mehr als 20 % Steigung hat hoch zu den Gondelmittelstationen. Hier merken wir, dass das Frühstück doch zu üppig war. Nichts desto trotz geht es weiter bergauf zur Heidelberger Hütte. 
Bis dahin noch ein gut fahrbarer Schotterweg. Frisch gestärkt geht es dann über ein Schiebestück von ca. einer Stunde zu dem 2608 m hoch gelegenen Fimbapass. Die Murmeltiere, die wir auf dem Weg treffen sind noch sehr fotoscheu, doch das ändert sich noch! Die folgende Abfahrt wird für mich wieder zur Wanderpartie; dass sie Stefan am besten von der ganzen Tour gefallen hat und er alles gefahren ist, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.  Auf der Strecke treffen wir auch dann die fotogenen Murmeltiere. Im Unterengadin stärken wir uns mit einem Stück „Engadiner Nusstorte“, die Kalorien für die nächste 2 Tage enthält. Aber die brauchen wir, denn 900 hm zum Schwarzsee liegen noch vor uns. Der Schwarzsee ist ein Moorsee, der nur über Stege zu erreichen ist. Die Wartezeit wurde von einigen für ein Bad genutzt. Vom Schwarzsee aus fahren wir über eine Forststraße nach Nauders und kommen genau mit dem Regen in unserem Quartier an. Fazit: 50 km mit 2000 hm.

Mittwoch, 08.08.07:

Heute ist angeblich eine Ruheetappe angesagt, doch die Daten sagen was anderes: 100 km mit 2000hm. Es geht bei Nieselregen locker mit 80 flachen Kilometern mit ca. 300 hm los. Am Rechensee vorbei, über den Rechenpass nach Bella Italia und dann durch die Südtiroler Apfelplantagen. Der Regen lässt nach, dafür netzen uns die Bewässerungsanlagen gründlich.  An das Mittagessen im Vinschgau (Kaiserschmarrn –sehr lecker) werden wir uns später noch erinnern. Der Anstieg zur Naturnser Alm (1922m) hat 1400 hm und ist ein normalerweise gut zu fahrender Schotterweg. Wegen des Regens am Vormittag war der Boden jedoch weich und die Auffahrt entsprechend anstrengend. Der schwer im Magen liegende Kaiserschmarrn tat sein übriges die Fahrt zu verlangsamen.  Der Kakao auf der Hütte entschädigte jedoch für die Strapazen. (In Italien ist die heiße Schokolade eher ein warmer Schokopudding, also was zum Löffeln, aber oberlecker.) Nach dem Downhill ins Ultental müssen wir noch mal 300 hm zu unserem Ziel St. Pangraz überwinden. Dort schmeckten die Spinatspätzle auf dem eigenen Balkon sehr lecker und das Fahrrad fühlte sich im Zimmer auch pudelwohl.

Donnerstag, 09.08.07:

Heute steht die Königsetappe auf dem Programm: Rabbijoch (2449 m) und dann auf der anderen Seite noch mal 900 m hoch zum Nobelskiort Madonna di Campiglio. Die Auffahrt beginnt mit 20 km Straße. In einem kleinen Ort heißt es für Autos umdrehen, doch wir können uns über einen Schotterweg mit zum Teil sehr steilen Rampen (bis 30%)weiter in Richtung Passo di Rabbi machen.  Jeder Mountainbiker will anscheinend da rüber…wie die Ameisen…Bei einsetzendem Regen nehmen wir das letzte Stück, das unfahrbar ist, aber wir werden mit hausgemachter Gemüse-Nudel-Suppe in der Haselgruber Hütte belohnt.  Während wir speisen hagelt es draußen. Als wir uns für die Abfahrt rüsten sieht es wieder gut aus. Wie erwartet beginnt die Abfahrt für mich mit Schieben. Später machen wir zwei Gruppen, ein Trail- und eine Forstweggruppe.  Ich warte also mit dem Rest der Forstweggruppe in einem Heuschober während es tierisch anfängt zu regnen. Nach über 20 min kommt die Trailgruppe dann patschnass an und berichten, dass sie den Trail nicht gefunden haben – Pech! Nach einer weiteren gemeinsamen Abfahrt heißt es wieder berghoch fahren.  Die letzten 900 hm nach Madonna sind angesagt. Eine schöne Auffahrt, die wir gewonnen hätten, wenn wir uns nicht noch verfahren hätten. Zur Belohnung gibt es dann die Sauna ganz für mich alleine und Essen im Nobelhotel. 65 km und fast 3000 hm.

Freitag, 10.08.07:

Die letzte richtige Etappe beginnt mit kalten 12 °C und viel bergab fahren. Von Madonne geht es über Male nach Tione. Dort ist es dann sonnig und fast 30 °C warm.  Ideale Temperatur für den letzten Uphill zum Rifugio Garda. Dort genießen wir das erste Weizen und die herrliche Aussicht zum Gardasee. Am Abend geht es dann noch mal 200 hm zurück zu unserem Rifugio, in dem wir übernachten. Hier gibt es dann Hirsch zu essen…wo die den in den Alpen her haben…? Insgesamt 75 km und wieder 2000 hm.

Samstag, 11.08.07:

Wir wachen mit herrlicher Aussicht auf und rüsten uns für das Finale: den Tremalzo-Downhill. Obwohl die Stecke Downhill heißt, absolvieren wir noch 500 hm. Der  Rocchetta Pass muss überwunden werden. Auf der Abfahrt, bei der Schotter und Teer wechseln, treffen wir noch Udo von den Alpencrossern. Nach einem kurzen Plausch geht es weiter nach Riva. Die meisten nutzen die letzten Minuten zu einem Bad im 16°C kalten Gardasee, bevor es mit dem Busshuttel wieder in Richtung Heimat geht.

Wir haben in diesen 6 ½ Tagen ca. 520 km und 13000 hm zurückgelegt und jeder Kilometer war es wert!

Verena und Stefan

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